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Gutes Leben jenseits von Wachstum: eine ethische Perspektive

Barbara Muraca

Abstract


Wachstum gilt als fundamentaler Faktor für die dynamische Stabilisierung moder-
ner Gesellschaften und als Grundlage für sozialen Frieden und gesellschaftliche
Reproduktion. Wir stehen allerdings sowohl vor funktionalen Einschränkungen
eines fortwährenden Wachstums als auch vor einer Unvereinbarkeit von Wachs-
tum mit wesentlichen Forderungen von Gerechtigkeit gegenüber heute lebenden
und zukünftigen Generationen. Insbesondere in Südeuropa zeigen Wachstums-
kritikerInnen, dass gerade das Wachstumsdiktat soziale Ungerechtigkeit hervor-
bringt. Bisher ist allerdings eine ethische Auseinandersetzung mit der Wachstums-
frage auffällig unterrepräsentiert. Dieser Beitrag analysiert den wachstumskri-
tischen Diskurs aus einer ethischen Perspektive, anhand folgender Fragen:
1. Ist Wachstum unter den biophysischen Bedingungen des Planeten möglich,
können wir (noch) wachsen?
2. Ist Wachstum inter- und intragenerationell moralisch zu rechtfertigen – dürfen
wir wachsen?
3. Ist Wachstum als ökonomische und gesellschaftliche Zielsetzung noch sinnvoll
und ethisch akzeptabel? Steht es im Einklang mit unseren Vorstellungen eines
»guten Lebens«; wollen wir noch wachsen?
4. Wer ist wir? Wer ist mit Wirkungsmacht an dem Diskurs beteiligt?
Nicht zuletzt ist aus ethischer Perspektive Kritik zu formulieren an den überall
modisch gewordenen Glücksindikatoren, die das BIP ergänzen oder gar er-
setzen sollen.

Growth has been so far considered as an essential factor in the dynamic stabili-
zation of modern societies and as a condition for social pacification and social
reproduction. However, we are now faced with functional limits to growth on the
one hand and with the seeming incompatibility of continuing growth with ethical
issues in terms of inter- and intragenerational justice on the other. Especially in
the Southern European countries growth critics hold that social injustice is en-
hanced precisely by the growth-diktat. Yet, a thorough ethical scrutiny of the
growth/degrowth debate has been so far neglected. Aim of this paper is to re-
consider growth critique from an ethical point of view, along following questions:
1. Is growth still possible given the biophysical conditions of our planet, i.e. can
we still grow?
2. Can growth be morally justified in terms of inter- and intragenerational justice,
i.e. may we still grow?
3. Is growth still a meaningful economic and societal goal? Is it still ethically
acceptable? Does it harmonize with our conception of a good life, i.e. do we
still want to grow?
4. Who is we? Whose voices are de facto participating in the discourse?
Moreover, the paper formulates a critique of the increasingly fashionable debate
on happiness indicators, which are conceived as integration or replacement
for GDP.

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DOI: http://dx.doi.org/10.18156/eug-1-2012-art-3

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