Deklassiert und korrumpiert: Das Lumpenproletariat als Grenzbegriff der politischen Theorie und Klassenanalyse von Marx und Engels

Peter Bescherer

Abstract


Mit dem »Lumpenproletariat« haben Marx und Engels einen seltsamen, schillernden Begriff in die Diskussion kritischer Gesellschaftstheorie geworfen. Während das Proletariat Träger von Herrschaftskritik und sozialer Umwälzung ist, ist der Lump damals wie heute eine betrügerische und gewissenlose Person. Unter Lumpenproletariat verstehen Marx und Engels eine besondere Klassenfraktion oder eine (quer zur Klasseneinteilung liegende) soziale Gruppe, die in scharfem Kontrast zu ihrer eigenen Vorstellung revolutionärer Subjektivität steht. Eine kritische Reflexion aus heutiger Perspektive muss von den Fragen ausgehen, auf die das Konzept Lumpenproletariat antwortet. Der vorliegende Text stellt sich dieser Aufgabe. Er geht der These nach, dass es sich beim Lumpenproletariat um einen Begriff handelt, der sich an den Grenzen des Denkens von Marx und Engels (zwischen Analyse und Moral, Ökonomie und Politik, Klasse und Masse etc.) bewegt.

The ›lumpenproletariat‹ is a strange and somewhat enigmatic term shaped by Marx and Engels. While, to them, the proletariat is the social class of protest against power and the driver of revolutionary change, the lump then and now is a fraudulent and unprincipled person. Hence, the lumpenproletariat is a particular class fraction, or a social group exceeding the class structure, that stands in sharp contrast to Marx’s and Engels’s own concept of revolutionary subjectivity. From a contemporary point of view, a critical evaluation must start by reconsidering the issues the lumpenproletariat-theory tries to tackle. My article accepts this challenge. It thereby pursues the thesis that the notion of the lumpenproletariat occurs at the boundaries in Marx and Engels (between analysis and morality, economics and politics, class and mass).

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DOI: http://dx.doi.org/10.18156/eug-1-2018-art-2

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