Kritik der Identitätspolitik in der Demokratie

Oliver Hidalgo

Abstract


Der Begriff »Identitätspolitik« ist seit geraumer Zeit negativ beleumundet und markiert in zeitgenössischen Debatten geradezu die Negativfolie der beobachtbaren Identitätsbildungsprozesse in pluralistischen Gesellschaften. Demgegenüber will der Beitrag eine Kritik der Identitätspolitik konturieren, die den ambivalenten Rahmen der Demokratie als geeigneten Referenzpunkt für eine differenzierte Betrachtungsweise in Anspruch nimmt. Das widersprüchliche Oszillieren des Identitätskonzepts zwischen Gleichheit und Unterschied kommt dabei ebenso zum Tragen wie ein vertiefendes Verständnis, warum sich eine Polarisierung des politischen Diskurses besonders leicht an Fragen der (kollektiven) Identität entzündet. Vor diesem komplexen Hintergrund soll schließlich die vorgezeichnete »Unlösbarkeit« des identitätspolitischen Problems in der Demokratie als positives Indiz dafür gewendet werden, wie zumindest Extreme wie die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu vermeiden sind.

Since a couple of time, the term »identity politics« has been negatively connotated. In contemporary debates it virtually marks the negative foil of the formations of identity being observed in pluralistic societies. In contrast, this article aims to outline a critique of identity politics that deals with the ambivalent framework of democracy as an adequate point of reference in order to develop a comprehensive approach. In this respect, the paradox oscillation of identity between equality and difference will be brought to bear as well as a deeper understanding of why a polarization of political discourses is easily provoked by issues and questions of (collective) identity. Against this complex background, the predestined »unsolvability« of the problem identity politics means for democracy is to be used as a positive indication how at least extremes such as group-focused enmity can be avoided.


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DOI: http://dx.doi.org/10.18156/eug-1-2020-art-6

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