Nr. 2 (2012)

Demokratie und Gesellschaftsethik

Wir leben in »postdemokratischen« Zeiten, so heißt es nicht nur bei Colin Crouch:
Zwar bestehen in den westlichen Gesellschaften die demokratischen Institutionen
fort, zugleich nimmt aber die demokratische Partizipation und die Steuerung der
Gesellschaften von unten ab, die über diese Institutionen eigentlich sichergestellt
werden sollen. Für die Gesellschaftsethik ist diese Analyse hoch attraktiv: Diese
»braucht« eine anspruchsvolle normative Theorie der Demokratie als Kontrast zu
den postdemokratischen Verhältnissen, weswegen sich die Gesellschaftsethik gut
in das Gespräch über die »Postdemokratie« bringen kann. In Folge des zunehmen-
den Substanzverlust der Demokratie, sollte er unter dem Begriff ›Postdemokratie‹
gut eingefangen werden können, verliert die Gesellschaftsethik jedoch zugleich an
Rückhalt in der Realität, verliert die Möglichkeit, sich mit ihrem »Sollen« im »Sein«
demokratischer Gesellschaften abzusichern. Weil also eine doppelte Herausforderung,
stellt sich diese Ausgabe von »Ethik und Gesellschaft« der Diagnose der »Postdemo-
kratie«: Geprüft wird deren Realitätsgehalt, diskutiert wird deren gesellschaftsethische
Relevanz. Ein besondere Augenmerk wird auf die bürgerschaftliche Partizipation ge-
legt: Bestätigt das politische Engagement »in der Zivilgesellschaft« die Diagnose von
den »postdemokratischen« Zuständen, forciert sie womöglich diese Entwicklung sogar?
Oder ist sie eine Art »Gegengift« gegen den zunehmenden Verlust an demokratsicher
Partizipation und gesellschaftlicher Kontrolle »von unten«?

Inhaltsverzeichnis

Artikel

Gary S. Schaal, Claudia Ritzi
PDF
Christian Polke
PDF
Daniel Bogner
PDF
Johanna Klatt
PDF
Andreas Lob-Hüdepohl
PDF
Bernhard Bleyer, Bernhard Laux
PDF
Jeanette Behringer
PDF
Christian Spieß
PDF
Anne Brüninghaus, Günter Feuerstein
PDF

Rezensionen

Karl Gabriel/Christel Gärtner/Detlef Pollack (Hg.): Umstrittene Säkularisierung
Hermann-Josef Große Kracht Große Kracht
PDF
Rocco Gennaro: The Consciousness Paradox
Jürgen Koller
PDF
Eduardo Mendieta/Jonathan VanAntwerpen (Hg.): Religion und Öffentlichkeit
Ana Honnacker
PDF