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2/2022: Narrative der Sozialpolitik - Narrative der Sozialstaatskritik

Sozialpolitik ist ein ausdifferenziertes Feld – mit vielen, recht unterschiedlichen »Baustellen«. Bezogen auf verschiedene, zumeist über staatlichen Institutionen vermittelte Leistungen sind die ausdifferenzierten Felder mit ihren angestammten Akteuren, ihren vorgegebenen Themen und ihren typischen Konflikten eigensinnig, hängen aber gerade so zusammen und »brauchen« einander. Weil die sozialpolitisch bestellten Leistungen und weil darüber Sozialpolitik in kein System passt(e), bemühte man für »den Sozialstaat« und für die ihn steuernde Sozialpolitik Narrative. In Erzählungen, warum was und wie der Sozialstaat »für die Menschen« oder »für die Gesellschaft« da ist oder da sein soll, kam zusammen, was zeitgleich nebeneinander bestand und besteht. Eine Gesamtschau wird durch Vereinfachung ermöglicht, bestimmte Strukturen werden hervorgehoben und andere hingegen unsichtbar gemacht, vor allem wird dem Ganzen einen intendierten Sinn gegeben – und der Sozialstaat »gemacht«, von dem erzählt wird. Seit den 1980er-Jahren  bemüht man Erzählungen, wie etwa die vom »aktivierenden Sozialstaat«, dem »Gewährleistungsstaat« oder dem »investiven Sozialstaat«, um sozialpolitische Reformen in großen Würfen anzustoßen, um sie untereinander abzustimmen und gesellschaftlich zu bewerben. Indem man erzählt, betrieb man Sozialpolitik – und war darin erfolgreich. Da sich diese Narrative verbraucht haben, sie nicht mehr innovativ klingen und politisch nicht mehr zünden, versucht man es gegenwärtig mit neuen Narrativen – und hält sie für dringend notwendig, um den »Sozialstaat von morgen« auf den Weg zu bringen.

Mit Narrativen arbeitet auch die Sozialstaatskritik – und erzählt dann, wie »der Sozialstaat« wirklich »ist«, wie er tatsächlich wirkt und wie er bei den Leuten ankommt, die auf seine Leistungen angewiesen sind. Gegen den schönen Schein, der sozialpolitisch verbreitet wird, werden die »wahren« Geschichten über »den Sozialstaat« erzählt. Dessen Leistungen werden in einen, wenngleich negativ bewerteten Zusammenhang gebracht und auf einen, negativ bewerteten Entwicklungspfad gesehen. Die Narrative bringen Sozialstaatskritik auf den Punkt – und sorgen dafür, dass die jeweilige Kritik evaluativ und affektiv besetzt wird.

In dem Themenheft werden Narrative der Sozialpolitik, aber auch Narrative der Sozialstaatskritik – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – vorgestellt. Gerne in Rückschau auf vergangene Zeiten und ihre Narrative; ebenso gerne in der Analyse gegenwärtiger Sozialpolitik und Sozialstaatskritik, womöglich auch mit Aussicht auf den »Sozialstaat von morgen«, auf die Sozialpolitik, die ihn schaffen soll, oder Entwicklungen, die ihn ganz ohne sozialpolitisches Zutun anbrechen lassen werden. Vielleicht gelingt über die verschiedene Beiträge eine »Erzähltheorie« der Sozialpolitik und der Sozialstaatskritik – und lassen sich dazu Hinweise zusammentragen, warum und wie über den Sozialstaat erzählt wird und wie Sozialpolitik »gemacht« und Sozialstaatskritik betrieben wird, indem der Sozialstaat erzählt wird.

Redaktion: Matthias Möhring-Hesse

1/2023: Religion als Brand- und Friedensstifter

Der Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine wird häufig aus friedensethischer und politischer Perspektive diskutiert, aber noch relativ wenig unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung der Religion. Und dies, obwohl religiöse Legitimierungen von kriegerischen Handlungen und religiös motivierte Friedensappelle stets ein wichtiger Teil des öffentlichen Diskurses sind und waren. In dieser Ausgabe wird die Relevanz der Religion bzw. der Religionsgemeinschaften in der europäischen Konfliktarchitektur beleuchtet und interdisziplinär diskutiert.

Redaktion Oliver Hidalgo, Alexander Yendell, Chrstian Spieß und Katja Winkler.

Schreiben für ethik und gesellschaft

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