Wissenschaftliche (Politik-)Beratung in Zeiten von Corona: Die Stellungnahmen der Leopoldina zur Covid-19-Pandemie

Urban Wiesing, Daniel Becker, Philip Hahn, Henning Tümmers, Christoph Dominik Blum

Abstract


Nachdem die Bedrohung durch das Corona-Virus im Frühjahr 2020 auch die bundesdeutsche Gesellschaft und Politik erreicht hatte, äußerte sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in ihrer Rolle als politikberatende Institution und unterbreitete Vorschläge zum Umgang mit der Pandemie. Der vorliegende Beitrag diskutiert die damaligen Ad-hoc-Stellungnahmen der Leopoldina aus wissenschaftstheoretischer Perspektive. Zunächst werden die inhärenten Herausforderungen wissenschaftlicher Politikberatung erläutert, um anschließend insbesondere die Frage von Sach- und Personalautorität in den Stellungnahmen zu untersuchen. Die Normativität der Aussagen wird hinterfragt, ebenso wie die Themen- und Personenauswahl. Die Ad-hoc-Stellungnahmen werden mit den selbstgesetzten Maßstäben der Leopoldina verglichen, auch in Hinblick auf die Frage, ob wissenschaftliche Politikberatung Optionen geben oder Empfehlungen aussprechen soll.
 
Since the beginning of the corona-virus pandemic in 2020, the German National Academy of Science Leopoldina expressed its views in accordance with its role as a policy advising institution and submitted proposals on how to tackle the pandemic. This paper discusses the Leopoldina's ad-hoc-statements at the time from an epistemological perspective. First, the inherent challenges of scientific policy advice are explained, and then questions regarding factual and personal authority in the statements are examined. The normativity of the statements as well as the selection of topics and experts are questioned. The ad-hoc-statements will be compared with the self-imposed standards of the Leopoldina, especially with regard to the question of whether scientific policy advice should provide options for action or make recommendations.

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DOI: https://doi.org/10.18156/eug-1-2021-858

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