Nr. 1 (2018)

"... auf den Schultern von Karl Marx"

 

Am 5. Mai 2018 jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag von Karl Marx. Er hat die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion geprägt wie kaum ein anderer. Seine philosophischen und gesellschaftstheoretischen Begriffe, Konzepte und Theorien haben nicht nur soziale Bewegungen, vor allem die Arbeiterbewegung, beeinflusst, sondern auch das wissenschaftliche Denken revolutioniert – vor allem das Denken über moderne Gesellschaften und deren Entwicklung. Nicht nur für die Katholische Sozialethik und gegen den katholischen Anti-Marxismus hatte deshalb Oswald von Nell-Breuning SJ in den 1970er Jahren erklärt: »Wir alle stehen auf den Schultern von Karl Marx« (Stimmen der Zeit 194, 1976, Heft 9, S. 616–622 ). Ganz im Sinne dieses Zitates sollen aus Anlass seines zweihundertsten Geburtstages das von Marx geprägten Denken darauf hin befragt werden, was es zum Verständnis der zeitgenössischen gesellschaftlichen Entwicklungen und Verwerfungen beiträgt.

Zu diesem Themenheft wollte auch Werner Post beitragen. Er war Professor für Philosophie zunächst an der Pädagogischen Fakultät der Universität Bonn, ab 1987 bis 2007 an der Universität Dortmund. Sein Schwerpunkt lag in der Praktischen Philosophie bei Fragen der Rechts- und Sozialphilosophie, der Kritischen Theorie, der Religionsphilosophie und der Ästhetik. Bekannt wurde er u.a. durch seine Studien  zu Marx und dessen Werk, u.a. »Kritik der Religion bei Karl Marx »(München: Kösel, 1969) »Verdirbt Religion den Menschen? Marxistischer und christlicher Humanismus« (gemeinsam mit Iring Fetscher, Düsseldorf: Patmos, 1969) und »Kritische Theorie und metaphysischer Pessimismus. Zum Spätwerk Max Horkheimers« (München: Kösel 1971) – und in vielen Aufsätzen der Zeitschrift »Die Orientierung«.  Werner Post war ein ausgewiesener Kenners des Marx´schen Werkes, der  vielen Philosophinnen und TheologInnen eine produktive, deswegen nicht unkritische Auseinandersetzung mit Marx eröffnet hat. Ein Themenheft von »Ethik und Gesellschaft« zu Marx in dessen Jubiliäumsjahr ist auch eine Nachwirkung seiner philosophischen Arbeit. In seinem Beitrag sollte es – so die Ankündigung von Werner Post – »um eine ikonographische Entmythlogisierung des statuarischen Kolossalmarx in diesem Jubiläum gehen: die Ernüchterung hin zum sehr kultivierten ›bürgerlichen‹ Marx, seiner antiutopischen Skepsis usw.«. Werner Post verstarb am 6. Mai 2018 in Bonn, einen Tag nach dem 200. Geburtstag von Karl Marx. Seinen Beitrag hat er uns nicht mehr hinterlassen können. Wir trauern um Werner Post.

Redaktion: Matthias Möhring-Hesse

 

Im Rezensionsteil, der diesmal einen ideengeschichtlichen Schwerpunkt hat, geht es u.a. um die Semantik des deutschen Wohlfahrtsstaates, um Neoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft, aber auch um die Neue Politische Theologie und das ‚Regieren der Angst‘. Hinzu kommen Besprechungen zur Pflege- und Medizinethik, zu Populismus und Flüchtlingen, zum Postsäkularismus und zum Papst.

Redaktion Besprechungsteil: Hermann-Josef Große Kracht und Tim Eckes

Inhaltsverzeichnis

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