Ein Spielverderber namens Ernst

Metaethische Reflexionen zu Wargames und Serious Games

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.18156/eug-1-2026-art-4

Abstract

Der Begriff »Spiel« ruft Assoziationen von Zweckfreiheit, Harmlosigkeit oder Vergnügen hervor. Beispielhaft ist die Wendung »Der will doch bloß spielen«. Definiert wird »Spiel« häufig ex negativo: als Nicht-Ernst, Nicht-Arbeit, Nicht-Wirklichkeit. »Wargames« und »Serious Games« fordern Alltagsverständnis und im Diskurs vorfindliche Definitionen nach Huizinga oder Caillois heraus. Dieser Beitrag untersucht »Wargames« und »Serious Games« aus metaethischer Perspektive. Alltagsannäherungen dienen der Frage, welche Bedeutungsräume sich mit dem Spielbegriff dem Verstehen eröffnen. Mit ausgewählten Diskurslinien werden sie angereichert (z. B. »Spiel« als Metapher für soziale Interaktion; Wirklichkeit und Simulation). Dazu kommen sprachgeschichtliche Erkenntnisse, zurückreichend bis zum Protogermanischen (»Spiel«, »Play«, »Game«). Unter Rückgriff auf Wittgenstein, Heidegger, Derrida und andere wird mit Sprache gespielt (z. B.: Ist es erlaubt, Krieg zu spielen, aber nicht mit dem Krieg zu spielen?). Sprache verschiebt moralisch angereicherte Bedeutungsräume. Bewusst eingesetzt, kann aus Spielverderben Daseinsorge werden.

Autor/innen-Biografie

Isabelle Fries, Universität der Bundeswehr München

Dr. theol., Ethikerin an der UniBw München; Forschung zu aktuellen praxisorientierten Fragestellungen unter Einbezug von Sprachphilosophie und politischer Theorie; Publikationen (Auswahl): (1) Ich und Wir. Der Begriff der Gemeinschaft im Werk Martin Bubers, Gütersloh 2023; (2) Ethical Guidelines for DLT-based Information Systems, in: Fries, Isabelle; Grabatin, Michael; Hofmeier, Michael (Hg.), Sovereign by Design. The LIONS Approach to Digital Sovereignty, Berlin 2024, 57–90; (3) Daten, Freiheit, Wirklichkeit. Deutungshoheit in Zeit und digitalem Raum, in: Schaffer, Axel; Lang, Eva (Hg.), Die Kunst vom Finden und Bauen der Wirklichkeit, Marburg 2023, 159–182; (4) »In Code We Trust?« – Zur Vertrauens-Verheißung der Blockchain-Technologie, ZEE 4/2022, 264–276.

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Veröffentlicht

23.05.2026